Hausmittelchen helfen bei Dreimonats-Koliken kaum – Zeit und Ruhe bringen Erleichterung

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Fliegergriff

“Das einzige, was wirklich heilt, ist Zeit.“, weiß Leni Calas aus New York mittlerweile. Ihre Tochter schrie sechs Monate lang nahezu ständig. Keines der üblichen Hausmittelchen half.
Es ist durchaus nachvollziehbar, dass Eltern von Kindern, die unter den sogenannten Dreimonats-Koliken leiden, in ihrer Verzweiflung bereit sind, auf jedes Mittel zurückzugreifen.

Eine neue Studie belegt jetzt, was viele Mütter und Väter schon ahnen: Egal ob Fenchelextrakt, Zuckertropfen oder Massagen – keinem der bekannten „Hausmittelchen“ konnte eine medizinische Wirkung nachgewiesen werden.

In der Studie werteten Forscher der englischen Universität Exeter 15 Untersuchungen aus, die den Effekt von gängigen Alternativpräparaten, Massagen oder Chiropraktik gegen Koliken an insgesamt fast 1.000 Babys prüften. „Die Vermutung, dass eine Komplementär- oder Alternativmedizin gegen Kinderkoliken hilft, ist derzeit nicht belegt“, schreiben sie im renommierten Fachblatt „Pediatrics“. Allerdings richteten die Mittel auch keine Schäden an, abgesehen von gelegentlichem Erbrechen oder Verstopfung.
Auch nicht-verschreibungspflichtige Medikamente wie die Entschäumer Sab Simplex und Lefax helfen nur bedingt.

Dies liegt unter anderem daran, dass der Kolik laut Definition keine physiologische Störung zu Grunde liegt. Daher werden Lebensmittel- und vor allem Eiweißallergien, sowie der Rückfluss von Magensäure oft fälschlich als Kolik diagnostiziert. Dies erklärt, warum die meisten gängigen Mittel auf den Verdauungstrakt abzielen, bei einer echten Kolik aber versagen.

Solche Präparate und Hausmittelchen unterliegen grundsätzlich keiner strengen Zulassung, und weder die Inhaltsstoffe noch der Wirkstoff-Gehalt werden geprüft. Daher ist es ratsam, sich stets mit einem Arzt in Verbindung zu setzen, bevor etwas verabreicht wird, rät Jatinder Bhatia. Der Arzt leitet bei der Amerikanischen Akademie für Kindermedizin (AAP) die Arbeitsgruppe für Ernährung. Denn auch nicht-verschreibungspflichtige Medikamente sind nach wie vor Medikamente, und sollten nie leichtfertig angewandt werden.

Einfacher und meist wirksamer sind so simple Dinge, wie das Baby in der Bauchlage zu tragen oder es sanft zu wiegen und zu schaukeln. Dabei muss man sich auch keine Gedanken über evtl. Nebenwirkungen machen!