Neue Studie: Werden Schreibabys zu „Problemkindern“?

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Prof. Dr. Dieter Wolke

Forscher der Warwick University, der Universität von Basel und der Universität Bochum haben in einer Studie untersucht, ob Schreibabys häufiger zu sogenannten „Problemkindern“ werden. Dabei wurde die Entwicklung von 1.935 Kindern, die im Säuglingsalter durch unkontrolliertes Schreien auffielen, genau beobachtet um festzustellen, ob ein Zusammenhang zu späteren Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS, Angstzuständen, Depressionen oder Aggression bestand.

Die Wissenschaftler kamen zum Schluss, dass Babys mit länger andauernden Schreiphasen, Schlaf- oder Essproblemen im ersten Lebensjahr zu 40 Prozent anfälliger waren für spätere Verhaltensstörungen wie aggressives und destruktives Verhalten oder Aufmerksamkeitsdefizite.

Allerdings weist der im medizinischen Magazin Archives of Disease in Childhood veröffentlichte Artikel darauf hin, dass eine Vielzahl der analysierten Fälle mit zusätzlichen Risikofaktoren wie Komplikationen bei der Geburt, Beziehungs- oder psychosozialen Problemen konfrontiert waren.

Prof. Dr. Dieter Wolke, Professor für Psychologie und Forschungsleiter der Warwick University, betont, dass Schreibabys eine generell vergleichsweise niedrigere Reaktionsschwelle aufweisen, eher auf äußere Reize reagieren, und daher auch schneller erregt sind. Wie Dr. Wolke erläutert, ist es vor allem bedeutend, dass sie wesentlich länger brauchen als andere Babys, um sich wieder in einen „stabilen Verhaltenszustand zurückzuregulieren.“

In den Ergebnissen der Forscher sieht Prof. Wolke den Bedarf, neue Behandlungsansätze für frühkindliche Regulationsstörungen zu entwickeln und zu testen. Denn die genauen Zusammenhänge der Verhaltensauffälligkeiten mit dem frühen Verhalten sind noch nicht geklärt.

Eines jedoch steht fest: Eine reizarme Umgebung ist enorm wichtig für Schreibabys. Sie kann  Reizüberflutung, die zu Übererregung und letzten Endes zu Schreiphasen führt, vorbeugen. Zudem hilft sie, einmal schreiende Babys zu beruhigen.