Interview mit Erich Bruckberger – Buchautor von “Die neuen Eltern”

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Erich Bruckberger


Unser Interview mit Erich Bruckberger, dem Autor von „Die neuen Eltern“ :

Warum ist Hautkontakt wichtig für ein Baby?

Erich Bruckberger:

Ganz ehrlich: Was bereitet Ihnen größere Lustgefühle in der Liebe: Stoff zu berühren oder Haut? So geht es auch dem Baby: Jede Berührung von Mutter und Vater hat für den gesamten Organismus des Babys ”magnetische“ Wirkung. Wie die heilenden Hände eines Schutzengels stärken sie das Immunsystem und machen auch psychisch stark. Die ersten Zärtlichkeitserlebnisse werden durch den Hautkontakt vermittelt. Es ist die Basis des späteren sexuellen Antriebsgefühls. Aber auch für die Mutter und – nicht zu vergessen – den Vater ist der Hautkontakt mit dem Baby von ganz besonderer Bedeutung: Es taucht ein längst vergessenes Lustgefühl auf, das Jungbrunnen und Lebenselixier in einem ist.

Wie können auch Mütter, die nicht stillen, eine enge Bindung zu ihrem Kind aufbauen?


Erich Bruckberger:

Ganz einfach: Lassen Sie den Hautkontakt zu, so oft es nur geht. Wenn Sie Ihrem Baby die Flasche geben, legen Sie das nackte Baby auf Ihre nackte Brust. Streichen Sie zärtlich über Kopf, Nacken, Rücken, Po, Oberschenkel und Fuße. Das signalisiert dem Baby: “Mama liebt mich!”. Und vergessen wir auch hier den Papa nicht: Er riecht, schmeckt, greift, reagiert anders. Dieses Erleben fördert das Wachstum des kleines Kindes.


Warum sind Babys automatisch ruhiger, wenn sie getragen werden?

Erich Bruckberger:

Weil sie dann die Welt erleben, so wie sie ist. Kein Baby möchte in einem Kinderwagen liegen und ständig nur den Himmel sehen. Wenn es von den Eltern beim Einkaufen getragen wird, sieht es die vielen bunten Sachen in den Regalen, eine Flasche zerschellt am Boden, dann gibt es da noch die schönen roten Äpfeln und die Kasse klingelt. Das sind lauter Ereignisse, die das Leben des Babys formen und ganz wesentlich zu seiner gesunden Gehirnentwicklung beitragen. Ein Kind, das viel getragen wird, erlebt die Welt mit allen Sinnen, und davon kann ein Baby nie genug bekommen.


Welchen Einfluss hat Bewegung auf die Entwicklung eines Babys?

Erich Bruckberger:

Bewegung, und zwar jede Art von Bewegung, fördert die Gehirnentwicklung des Kindes. Das ist die besondere Problematik in einer Krippe, in der die Bewegungsabläufe eines Kindes fast täglich die gleichen sind, weil die oft räumlichen Einschränkungen es gar nicht anders zulassen. Babys brauchen die ständig wechselnden Abläufe des Alltags. Babys sind nicht aus Glas, je mehr wir ihnen zumuten, desto selbstbewusster entwickeln sie sich.

Was raten Sie Eltern, die ein unruhiges Baby oder sogar ein Schreibaby haben?

Erich Bruckberger:

Kein Baby der Welt schreit ohne Grund. Wenn es trocken ist, satt ist und nicht krank ist und dennoch schreit, dann wahrscheinlich aus Langeweile oder aus Angst. Wenn uns langweilig ist, setzen wir uns vor den Fernseher. Wenn dem Baby langweilig ist, will es unterhalten werden: Es will in der Küche sitzen und dem Papa zuschauen, wie er das Abendessen herrichtet. Und wenn die Mama den Tisch deckt, gibt es auch eine ganze Menge zu sehen. Die Zeit des zu Bett Gehens ist dann meist auch die Zeit der Schreihöhepunkte. Kein Wunder: Mit der Forderung, alleine einzuschlafen, verlangen wir von einem Baby eine unmögliche Leistung. In dieser Zeit des Verlassenseins glaubt das Baby, Mama und Papa für immer verloren zu haben. Die daraus resultierende Angst löst sich im Schrei auf. Babys schreien zu lassen, kann sie ein Leben lang neurotisch verfolgen! Also lassen wir unserem Baby unsere nackte Haut spüren, es wird glücklich einschlummern und auch den Eltern Quality-Time schenken. Vergessen wir eine Tatsache nie: Es ist unmöglich, ein Baby zu verwöhnen!